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Werbeformen

Aus dem Audioguide Luxus. Die Lust am Überfluss

  • Museumsguide
Luxus. Die Lust am Überfluss
17 Stationen
35:44 min Audio
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Werbeformen

Heutzutage begegnet uns Werbung überall. Sie informiert nicht nur über Produkte,
sondern prägt auch unsere Vorstellungen von der Welt. Die moderne Werbung entstand
Mitte des 19. Jahrhunderts. Technische Neuerungen wie die Farblithografie oder die
Rotationspresse machten es möglich, Werbegrafiken in großen Auflagen herzustellen und
zu verbreiten.
Die Industrialisierung und kolonial-imperialistische Expansion verhalfen zahlreichen
neuen Produkten wie Kaffee, Kakao oder Tee auf den Markt. Diese entwickelten sich
schnell zu begehrten Konsumgütern. Durch Werbung konnten sich neue Marken auf dem
wachsenden Massenmarkt etablieren.
Werbebilder dieser Zeit waren von rassistischen, sexistischen und kolonialen Hierarchien
geprägt und trugen zur Verfestigung eines eurozentrischen Weltbildes bei, das bis heute
nachwirkt.
Um 1900 erreichte die massenhafte Verbreitung solcher Bilder einen ersten Höhepunkt:
Die Inszenierung kolonialer Genussmittel als alltägliche Konsumgüter vermittelte den
Eindruck einer „Teilhabe an der Eroberung der Welt“. Dabei lassen sich unterschiedliche
Werbestrategien erkennen.
Idealisierte Darstellungen zeigten bürgerliche Idylle: europäische Mütter, Kinder und
Haustiere beim Genuss von Schokolade.Die kolonialen Produktionsbedingungen blieben
dabei unsichtbar. Das Werbeplakat der Firma A. Driessen Cacao, entworfen von Privat
Livemont, zeigt eine elegante Frau mit zwei Kindern, die erwartungsvoll nach einer Tasse
heißer Schokolade greifen – ein Bild von Geborgenheit und Wohlstand, das auf den
Gewinnen des kolonialen Handels basiert.
Zudem reduzierten Werbebilder Menschen aus kolonialisierten Gebieten auf rassistische
Stereotype. Das Plakat „Fry’s Cocoa and Chocolates“ zeigt eine Gruppe Schwarzer
Männer, die sich über angeschwemmte Schokoladenkisten hermacht. Damit werden die
tatsächlichen Machtverhältnisse umgekehrt. Ausgeblendet wird, dass europäische
Kolonialmächte Menschen und Ressourcen in Afrika systematisch ausbeuteten.
Neben großformatigen Plakaten verbreiteten sich auch Sammelbilder. Eine Sammelkarte
für Schwerter-Kakao der Firma Riedel und Engelmann zeigt den sogenannten „Herero-Aufstand“. Die Darstellung verschweigt dabei die deutsche Kolonialgewalt und den
Völkermord an den Herero und Nama. Stattdessen werden die Herero als Bedrohung
dargestellt.


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