Mitte des 19. Jahrhunderts entstand in Paris die Haute Couture. Ihr Begründer ist der 1825
in Bourne geborene Engländer Charles Frederick Worth. Seine Mode markiert den Beginn
des modernen Modedesigns und einer bis heute anhaltenden Markenmentalität.
Vor Worth stand der Name der Schneiderinnen nicht im Vordergrund. Sie setzten nur die
Wünsche ihrer Kundinnen um. Worth brach mit diesem System: Er verstand sich als
Künstler und entwarf saisonale Kollektionen nach seiner eigenen Vision. Als Erster nähte
er sein Namensetikett als Markenzeichen in die Kleidung.
Nach einer Lehre in London arbeitete Worth ab 1845 in Paris beim renommierten
Seidenhändler Gagelin. Statt auf Holzpuppen präsentierte er seine Entwürfe erstmals an
einem lebenden Modell: seiner Frau. Die Geschichte des Mannequins begann. Nach
Erfolgen auf den Weltausstellungen eröffnete er 1858 sein Modehaus in der Rue de la Paix
7, wo er Stoffhandel und Maßschneiderei unter einem Dach vereinte.
Neben Kaiserin Sisi von Österreich oder Sarah Bernhardt wurde die französische Kaiserin
Eugénie seine wichtigste Kundin und Förderin. Ein Kleid der Fürstin von Metternich
machte Eugénie auf Worth aufmerksam. Sie ernannte ihn zu ihrem Hofschneider und
wurde so zur globalen Modeikone. Massenhaft verbreitete Fotografien und
Modezeitungen trugen Worths Stil in die Welt.
Er reformierte die Silhouetten, verlagerte die ausladende Krinoline nach hinten und
erschuf die Tournüre. Auch die fließende „Princess-Linie“ ohne Taillennaht und der
knöchellange Spazierrock gehen auf Worth und Eugénie zurück. Letztere nutzte Mode
gezielt als Wirtschaftsfaktor, um die heimische Seiden- und Spitzenindustrie zu stärken.
Paris etablierte sich als Zentrum der Luxusmode.
Nach Worths Tod 1895 führten seine Söhne das Haus um 1900 in eine wirtschaftliche
Blütezeit. Gegen moderne Konkurrenz wie Coco Chanel konnte sich das Label auf Dauer
jedoch nicht behaupten. 1954 schließt das Traditionshaus Worth nach der Fusion mit
dem Modehaus Paquin.
Die Geburt der Marke: Charles Frederick Worth
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