Vor uns steht einer der ältesten erhaltenen Speicher Allensteins – ein Gebäude, das auf den ersten Blick unscheinbar wirken mag, jedoch eine bemerkenswerte Geschichte verbirgt. Über mehr als zweihundert Jahre hinweg war es Zeuge der Entwicklung der Stadt, ihres Handels und des Alltags ihrer Bewohner. Hier wurde Getreide gelagert – eines der wertvollsten Erzeugnisse des mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Ermlands. Von ihm hingen die Versorgung der Bevölkerung, die Einnahmen der Stadt und der Handel mit anderen Regionen ab.
Werfen Sie einen Blick auf die Konstruktion des Gebäudes. Das Fachwerk mit seinen Ziegelausfachungen und das hohe, steile Dach sind nicht nur dekorative Elemente. Diese Bauweise sorgte für eine gute Belüftung, schützte das Getreide vor Feuchtigkeit und ermöglichte die sichere Lagerung großer Vorräte über viele Monate hinweg.
Dieser Speicher besitzt jedoch noch eine weitere Besonderheit: Er wurde direkt auf den mittelalterlichen Stadtmauern Allensteins errichtet.
Heute lagern hier keine Säcke voller Getreide mehr. Statt Kaufleuten und Lastträgern begegnet man an diesem Ort Architekten, Künstlern, Historikern und Menschen, die sich für das kulturelle Erbe der Stadt begeistern.