Vor uns steht das sogenannte Bürgermeisterhaus – das älteste erhaltene gemauerte Wohnhaus von Allenstein. Seine charakteristischen gotischen Spitzbogenarkaden sind einzigartig in der Altstadt. Wenn Sie die Backsteinmauern betrachten, blicken Sie auf einen der wenigen Orte der Stadt, an dem sich noch die Atmosphäre des mittelalterlichen Allensteins erahnen lässt.
Der Überlieferung nach steht das Haus auf dem Grundstück von Jan von Layß, dem Gründer und ersten Schulzen von Allenstein. Er stammte aus dem Dorf Layß bei Mehlsack, dem heutigen Pieniężno. Als das Ermländische Domkapitel im Jahr 1353 beschloss, hier eine neue Stadt zu gründen, erhielt Jan die Aufgabe, dieses Vorhaben zu verwirklichen.
Ein mittelalterlicher Schulze war weit mehr als ein heutiger Bürgermeister. Er war Organisator, Verwalter und Unternehmer zugleich. Jan von Layß musste Siedler anwerben, Grundstücke vermessen, den Marktplatz und die Straßen planen sowie den Bau der ersten Befestigungen überwachen. Man kann sagen, dass er zu den Menschen gehörte, die aus einer Waldlichtung eine Stadt machten.
Damals sah die Umgebung völlig anders aus als heute. Wo sich heute Cafés, Restaurants und Souvenirläden befinden, standen einfache Holzhäuser, Werkstätten und Ställe. Die Stadt war von Mauern umgeben, und außerhalb der Befestigungen erstreckten sich Wälder, Felder und Sümpfe. Nur wenige hundert Menschen lebten hier.
Ob Jan von Layß tatsächlich in diesem Haus wohnte, wissen wir nicht. Das heutige Gebäude entstand vermutlich später und wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut. Dennoch verbindet die Tradition diesen Ort mit dem Mann, ohne den es Allenstein vielleicht nie gegeben hätte.
Unter den Arkaden befindet sich eine zweisprachige Gedenktafel, die 1999 angebracht wurde. Sie erinnert an Jan von Layß und an die Gründung der Stadt. Während viele Besucher achtlos an ihr vorbeigehen, erinnert sie daran, dass jede Stadt einmal mit einer einzigen Idee begann – und mit einigen wenigen Menschen, die den Mut hatten, sie Wirklichkeit werden zu lassen.