Sie haben nun schon einiges zu den historisch gewachsenen Aufgaben des Klosters erfahren - wie kann man nun aber die Aufgaben des Klosters in die heutige Zeit übertragen? Für das Kloster St. Marienthal ist die Antwort auf diese Frage das IBZ, kurz für “Internationales Begegnungszentrum”, auf welches wir hier aus dem Garten der Bibelpflanzen einen wunderbaren Blick haben.
Seit 1994 verbindet das IBZ Menschen aus Deutschland, Polen, Tschechien und vielen weiteren Ländern.
Viele der zentralen Gedanken des Ordens der Zisterzienser finden sich hier wieder:
Da wäre beispielsweise der Gedanke der Gemeinschaft (communitas): Miteinander zu leben, voneinander zu lernen und sich gegenüber Gästen offen zu zeigen. Stefanie Patron, einer der Mitarbeiterinnen des IBZ, liegt dabei ein Projekt besonders am Herzen: [Audioaufnahme 1: “Für mich verkörpert das Projekt ‘Seniorenbotschafterinnen und Seniorenbotschafter für eine nachhaltige Entwicklung der Region’ den Gedanken der Gemeinschaft in ganz besonderer Weise. Hier treffen sich Senior/-innen und dabei steht neben der fachlichen Bildung auch das gemeinsame Erleben, Kennenlernen und neue Freundschaften aufbauen, im Mittelpunkt. Es werden gemeinsame Interessen ausgetauscht und die Abende in einer Gemeinschaft zusammen erlebt.”]
Im Sinne der Bildung (scientia) ist dem IBZ besonders die politische Bildung: Es werden Räume geschaffeb, in denen aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen offen angesprochen werden können, um ein Bewusstsein für Verantwortung im eigenen Handeln zu fördern.
Das „Kompetenz- und Koordinationszentrum Polnisch“ (kurz KoKoPol) bringt dabei Menschen aus dem Dreiländereck zusammen und verschreibt sich zudem der Förderung der polnischen Sprache.
Auch Bildung für nachhaltige Entwicklung spielt eine wichtige Rolle, was an den zisterziensischen Wert der Naturverbundenheit (creatio et conservatio) anknüpft. Die besondere Lage des Begegnungszentrums inmitten einer Kulturlandschaft lädt dazu ein, Nachhaltigkeit nicht nur theoretisch zu betrachten, sondern ganz praktisch zu erfahren – etwa durch Umweltbildungsangebote, Exkursionen oder projektorientiertes Lernen.
Charakteristisch für die Bildungsarbeit der Stiftung ist die enge Verbindung von Inhalt und Ort. Die Geschichte des Klosters, die Grenzregion und die internationale Ausrichtung fließen bewusst in die pädagogischen Konzepte ein. Lernen wird hier als ganzheitlicher Prozess verstanden, der Kopf, Herz und Hand gleichermaßen anspricht.