Willkommen in Allenstein, heute Olsztyn – der Hauptstadt des Ermlands, einer Region mit einer außergewöhnlichen Geschichte und einem besonderen religiösen Erbe. Das Ermland wird seit Jahrhunderten als „Heiliges Ermland“ bezeichnet. Die Landschaft ist geprägt von Kirchen, Kapellen und den zahlreichen Wegkreuzen, die bis heute an den tief verwurzelten katholischen Glauben der Bewohner erinnern.
Die Christianisierung des Ermlands begann im 13. Jahrhundert mit dem Deutschen Orden. Anders als viele andere Regionen blieb das Ermland auch während der Reformation katholisch. Weder die religiösen Umbrüche des 16. Jahrhunderts noch die spätere Zugehörigkeit zum protestantisch geprägten Preußen konnten den katholischen Charakter der Region grundlegend verändern. Nach 223 Jahren unter der Herrschaft des Deutschen Ordens gehörte das Ermland ab 1466 über drei Jahrhunderte lang zur Krone des Königreichs Polen, bis es 1772 im Zuge der Ersten Teilung Polens von Preußen annektiert wurde.
Nur wenige Kilometer von Olsztyn entfernt liegt Dietrichswalde, heute Gietrzwałd – der einzige Ort in Polen, an dem Marienerscheinungen offiziell von der katholischen Kirche anerkannt wurden. Bis heute ist er eines der wichtigsten Wallfahrtszentren des Landes.
Doch die Geschichte Olsztyns ist mehr als die Geschichte einer katholischen Stadt. Seit Jahrhunderten begegnen sich hier Menschen unterschiedlicher Herkunft und verschiedener Glaubensrichtungen. Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt durch die Ankunft neuer Bewohner aus vielen Regionen Europas noch vielfältiger. Mit ihnen kamen neue Traditionen, Kulturen und Konfessionen.
Unser Rundgang beginnt im Herzen der Altstadt. Über den Dächern der historischen Bürgerhäuser erhebt sich die mächtige St.-Jakobus-Konkatedralbasilika, deren Turm seit mehr als 600 Jahren die Silhouette der Stadt prägt. Doch wir werden nicht nur katholische Kirchen kennenlernen. Auf unserem Weg besuchen wir auch evangelische und orthodoxe Gotteshäuser sowie Orte, die an die einst bedeutende jüdische Gemeinde erinnern.
Jede dieser Gemeinschaften hat ihre Spuren in heutigen Olsztyn hinterlassen. Gemeinsam erzählen sie die Geschichte einer Stadt, die trotz ihrer tief katholischen Wurzeln heute ein faszinierendes Beispiel für religiöse und kulturelle Vielfalt ist.