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Schloßcafe ohne Schloß

Schloßcafe ohne Schloß

Nach dem wir dem Weg von der ehemaligen Schlosskirche Richtung Osten folgen, treffen wir nach rund 100 Metern zur rechten auf das neu erbaute Schloßcafe. Ein Schloßcafe ohne Schloss? Das Schöneicher Schloss gibt es nicht mehr. Wenn wir dem Schloßcafe den Rücken zuwenden, würden wir jetzt, in etwa, die große Freitreppe vor dem Schloss sehen. In Bild 1 ist unsere aktuelle Position markiert. Links von uns sehen wir, wie auf der alten Landkarte dargestellt, die Schlosskirche. Hinter dem Schloss ist in Hufeisenform der Gutshof in Umrissen zu erkennen.

Ursprünglich stand am Platz des späteren Schlosses ein Rittersitz, derer von Krummensee, aus dem 16. Jahrhundert, genannt das „Steinerne Haus“. Im Jahr 1765 ließ es sein neuer Besitzer, der Geheime Rat Schütze, abreißen und an seiner Stelle ein Barockschloss erbauen, wie man es im Bild 2 sehen kann.

In Front des Schlosses, also im heutigen Teil hinter dem Schloßcafe Richtung Schöneicher Straße, befand sich der Barockgarten des Schlossparks, der nach seiner Fertigstellung die 170 Orangenbäume des Schlossherrn aufnehmen konnte. Zur winterlichen Unterbringung der Bäume diente eine Orangerie, die sich östlich neben dem Schloss befand.

Auf der Fläche von der Ostmauer des Gutshofes bis ans Fließ ließ Schütze einen Küchengarten anlegen. Durch Ausnutzung des natürlichen Verlaufes des Fließ konnte oberhalb des Flusslaufes ein Abzweig Richtung Gutshof für die Schaffung einer barocken Wasserachse genutzt werden, welche dann geradlinig am Barockgarten vorbei unterhalb desselben wieder in das Mühlenfließ mündete. Die so entstandene künstliche Insel ließ Schütze zu einem kleinen Landschaftspark umgestalten, den er durch einen romantischen Tempel vervollständigen ließ. Mit Hilfe von Bild 3 können wir uns einen guten Überblick über diesen Teil das Schlossareals verschaffen.

Durch den Ausbau des Dachgeschosses und den Aufbau eines Turmes über dem Haupteingang im Jahre 1860 durch von Knobelsdorf erhielt das Schloss schließlich seine letztendliche Gestalt.

Östlich vom Barockgarten und Landschaftspark, jenseits des Fredersdorfers Mühlenfließes, der natürlichen Grenze zwischen den ehemals eigenständigen Orten Schöneiche und Klein-schöne-beck, auf den früheren Klein-schöne-becker Gemeindewiesen, fand der Schlosspark seine Fortsetzung im englischen Stil. Diesen Teil des Schloßparkes mit seinem zum Teil noch erhaltenen Baumbestand können wir im Anschluss in Augenschein nehmen.

Schloss und Rittergut gingen 1929 in den Besitz der Stadt Berlin über. Bis 1942 wurde das Schloß als Landschulheim des Berliner Händelgymnasiums genutzt, danach als Ausbildungsstätte für Nachrichtenhelferinnen und später als Kriegslazarett. Nachdem es nach Kriegsende zeitweilig von der Roten Armee in Anspruch genommen wurde und nach deren Abzug als Flüchtlingsheim diente, wurde es 1948 auf Veranlassung der örtlichen Behörden abgerissen. Das so gewonnene Baumaterial sollte zum Bau von Neubauernhäusern verwendet werden, erwies sich jedoch auf Grund der zum Bau des Schlosses verwendeten luftgetrockneten Lehmziegel als völlig unbrauchbar. Leider bewahrte diese Erkenntnis das Schloss nicht vor dessen Abriss.

Das Schloss mit Park und Garten war nicht allein Unterkunft und Repräsentanz seiner Besitzer sondern bildete lange Zeit zusammen mit dem zugehörigen Rittergut und Gutshof einschließlich Orangerie, Stallanlagen, Küchengarten, Scheune, Wohn- und Stallhäusern, Gelber Villa, Schlosskirche, Rauhfutterspeicher, Brennerei und weiteren Scheunen und Lagergebäuden ein wichtiges wirtschaftliches und kulturelles Zentrum von Schöneiche.

Wenn wir jetzt unsere Tour in Richtung Osten fortsetzten und das Fließ überqueren, gelangen wir in den verbliebenen Teil des Schlossparks, der im englischen Stil angelegt bis heute einen Teil der damaligen Anlage erkennen lässt.

(Quelle & Bilder) Dr. Wolfgang Cajar – Schöneicher Hefte Heft 10 /Februar 2015 + Heft 27 September 2023


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